Die schwarzen Raben

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Christiane von 365tageasatzaday lädt jedes Jahr dazu ein, Adventüden schreiben. Das sind Kurzgeschichten mit maximal 300 Wörtern, die in der Adventszeit spielen. Eine weitere Vorgabe ist, dass mindestens drei Wörter aus dieser Wortliste darin vorkommen müssen:

Dschungel
Familientreffen
Glitzerinfusion
Gummistiefel
Konsumtempel
Liebestöter
Menschenverstand
Mutter
Nordlicht
Posaune
Schneeschaufel
Sekundenkleber
Spitzbuben
Zierkissen
Zoo

Obwohl ich zum ersten Mal dabei bin, hat mich Christiane gebeten, die erste Adventüde im Dezember zu veröffentlichen. Das ist die zweite insgesamt, da am gestrigen Adventssonntag auch bereits eine erschienen ist. Ich bin ganz aufgeregt deswegen und hoffe, dass euch die Geschichte genauso gut gefällt wie mir 😊

Die schwarzen Raben

Helga rollte den Teig aus. Sie nahm die Förmchen, stach die Teiglinge aus und legte sie auf das gefettete Backblech. Früher hatte ihr Klausi dabei geholfen. Er war immer mit Feuereifer dabei gewesen. Inzwischen lebte er aber nicht mehr in München. Auch zu den Familientreffen kam er nur unregelmäßig. Sie telefonierten ab und zu, aber sie vermisste ihn sehr. Sie war doch seine Mutter.

Hin und wieder waren ihr die Plätzchen angebrannt. Schwarze Raben hatte er sie genannt. Früher gab es immer viel Trubel in der Familie. Sie musste sich um ihren Ehemann und die drei Kinder kümmern. Da konnte es mal passieren, dass die Plätzchen anbrannten. Aber jetzt war Hans tot und der Nachwuchs flügge geworden. Sie war den ganzen Tag allein und fühlte sich oft einsam. Immerhin wurde das Gebäck jetzt nicht mehr schwarz.

Als sie auf dem Sofa ein Zierkissen zurechtrückte, klingelte es an der Haustür. Ach ja, es war Mittagessenszeit. Das war bestimmt der Lieferservice fürs Essen. Sie schlurfte zur Tür und öffnete sie.

Da stand er. Ihr Hase. So hatte sie ihn früher gerufen. Aus dem Alter war er aber längst raus. Inzwischen bestand er darauf, nur noch Klaus genannt zu werden. Sie freute sich unbeschreiblich über seinen Besuch. Er war auf der Durchreise. Er musste in München umsteigen und hatte zwei Stunden Zeit, bis sein Zug fuhr. Die Pause nutzte er für einen Besuch in der Lindenstraße.

Sie kochte ihm Kaffee und servierte ihren selbstgemachten Apfelkuchen. Er aß mit großem Hunger und erzählte ihr aus seinem Leben. Er hatte eine neue Freundin. Insgeheim erhoffte sich Helga Nachwuchs. Sie wollte Oma werden.

Aber Moment mal. Warum roch es denn so verbrannt? Oh nein, die Plätzchen. Klaus lachte laut. Es gab wieder schwarze Raben.

Lindenstraße-Universum

Die meisten werden es bemerkt haben. Meine Adventüde spielt im Lindenstraße-Universum. Bevor die ersten Kommentare kommen. Ja, ich weiß, dass Helga und Hans geschieden sind und er deshalb nicht mehr ihr Ehemann ist. Ich habe mir in dieser Beziehung einfach ein wenig schriftstellerische Freiheit gegönnt 😊

Ansonsten dürft ihr gerne einen Kommentar schreiben und schildern, wie euch meine erste Adventüde gefallen hat.

Wenn ihr weitere Kurzgeschichten lesen wollt, dann schaut in den nächsten Tagen regelmäßig bei 365tageasatzaday vorbei. Dort gibt es bis Heiligabend jeden Tag eine weitere Adventüde.

Bildquelle: KI-Generator Leonardo

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8 Gedanken zu „Die schwarzen Raben“

  1. Ach, da werde ich ganz nostalgisch. In meiner Familie war die Lindenstraße ein fester Termin, bei dem wir alle gemeinsam vor dem Fernseher saßen. Ich finde es nicht abwegig, in ein Paralleluniversum abzubiegen, und damit Helgas Stimmung vorzuprägen, bevor der Hase dann unerwartet vor der Tür steht. Und das Ende ist herzallerliebst. Danke! Ich war vor dem Lesen bei schwarzen Raben eher in Richtung Odin und Fantasy unterwegs, von daher war die Geschichte etwas überraschend, allerdings positiv überraschend.

    1. Danke für deinen Kommentar. Die verbrannten Raben waren ein Running Gag in der Lindenstraße. Jedes Jahr in der Weihnachtszeit brannten Helga aus einem anderen Grund die Plätzchen an. Ich habe die Tradition mit einer eigenen Geschichte fortgesetzt 🙂

  2. Auch wenn ich nie so tief im Lindenstraßen-Universum drin war und auch ein wenig gebraucht habe, bis ich das in deiner Etüde erkannt habe, hat mir die Story doch sehr gut gefallen. Momentan backe ich noch „mit“ meinen Kindern und ich frage mich natürlich schon ab und an, wie es wohl ist, wenn ich das mal „ohne“ sie mache (ob ich es dann überhaupt noch mache). Von daher … eine schöne Geschichte mit mehr Ebenen als man denkt 🙂

  3. Ich glaube ich bin eines der seltenen Exemplare, die noch nie aber wirklich noch nie auch nur eine einzige Folge Lindenstraße geschaut hat. Aber trotzdem hat mir die Geschichte gefallen 😊

    1. Ich habe die Geschichte so geschrieben, dass man sie auch ohne Lindenstraße-Vorkenntnisse versteht 🙂 Die Lindenstraße-Fans können sich zusätzlich noch an den Running Gags erfreuen 😊

  4. Oh, Lindenstraße war bei uns genauso eine feste Institution wie der Tatort. Von daher freut es mich, dass du uns ins Lindenstraßen-Universum entführt hast. Deine Geschichte hat mir gut gefallen.
    Liebe Grüße
    Kerstin

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